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E-Food: 4 Thesen zum Markt im DACH-Raum

Kein anderes Marktsegment ist in den vergangenen Jahren so stark gewachsen wie E-Food. Gaben sich vor der Corona-Pandemie Befürworter und Kritiker die Klinke mit Einschätzungen in die Hand, steht nun fest: E-Food ist im Hier und Jetzt angekommen. E-Food- Experte Dr. Matthias Schu von der Hochschule Luzern zeigt die wichtigsten Eckpunkte auf.

01 It’s still «Day One»

Den Satz kennen Sie vermutlich; er stammt von Jeff Bezos, hat Kultstatus und ist in jedem jährlichen Amazon Shareholder Letter enthalten. Und gilt auch für E-Food: Trotz des Wachstums in den vergangenen Jahren steht auch der Schweizer Markt mit einem Marktanteil von rund 3.5% noch am Anfang. Und in Zukunft ist noch einiges an Potential vorhanden, das es im DACH-Raum zu erschliessen gilt!

02 E-Food spielt sich in Ballungsräumen ab

Distanz, Logistikkosten, Geschwindigkeit. E-Food ist kein Phänomen fürs platte Land. Und die letzte Meile das komplexe und teure, mit dem die meisten Player hadern. Frische und Vollsortiment erfordern Schnelligkeit bei der Auslieferung und daher regionale Läger und im Idealfall eine eigene Lieferflotte. Durch diese extremen Fixkostentreiber ist eine flächendeckende Abdeckung meist nicht gegeben und Anbieter konzentrieren sich auf die Ballungsräume.

03 Need for Speed – Quick Commerce auf dem Vormarsch

Spätestens seit dem Unicorn-Status des Berliner Startups Gorillas ist Quick Commerce – die Lieferung von Lebensmitteln innerhalb 60 Minuten – in aller Munde. Und aus Investorensicht als Nische innerhalb des Lebensmittelonlinehandels zum «hottest shit on earth» geworden. Es geht um Cutoff-Zeiten, Fulfillment-Geschwindigkeit und die Zeitspanne zwischen Bestelleingang und Auslieferung zum Kunden. Schwärmen alteingesessene E-Food Veteranen vereinzelt noch immer von Drive-in Konzepten, Lieferzeitfenstern von mehreren Stunden sowie Lieferung am Folgetag, hat sich die Marktsituation als auch die Verbrauchererwartung in den vergangen 24 Monaten radikal verändert: Standard & Erwartung ist Sameday Delivery und im Maximum eine Stunde Lieferzeitfenster geworden, das nach Möglichkeit, wie bei Picnic oder myMigros, vor Lieferung auf 20 Minuten eingeschränkt wird. Adaptiert wurde das Speed-Konzept ebenfalls vom Zürcher Startup Stash; und weitere werden folgen. Die Idee hinter den Speed Konzepten: Mit kleineren Warenkörben und Schnelligkeit neue, online-affine Kundengruppen ansprechen und gewinnen, abseits des klassischen Wocheneinkaufs.

04 Prozesskosten – Skalierung ohne Automatisierung und effiziente Auslieferung funktioniert langfristig nicht

Die Challenge bei E-Food heisst: Hohe strukturelle Fixkosten bei Picking, Verpacken und Auslieferung. Wenn man also an der Marge nicht viel schrauben kann und die Liefergebühren nur einen minimalen Teil der anfallenden Kosten abdecken, muss man am anderen Hebel ansetzen: Den Prozesskosten. Und hier heisst bei Skalierung der neue Heilsbringer: Automatisierung, wie dies bspw. Picnic in den Niederlanden mit TGW Logistics realisiert oder Frisco in Polen im Jahr 2019. KPMG hat dazu in 2020 eine Studie veröffentlicht mit Richtwerten, mit denen Profitabilität im E-Food möglich werden sollte: Beim Picken muss langfristig ein Zielkostenkorridor von 3 Euro / Bestellung erreicht werden, bei der Auslieferung von 5 Euro. Ohne Automatisierung und eine eigene Auslieferflotte wird dies aber für E-Food kaum möglich sein.

Dieser Beitrag erschien erstmals im Blog der Connecta Bern der Schweizerischen Post

Über den Autor

Dr. Matthias Schu ist einer der führenden E-Food-Experten im DACH-Raum und Autor von «Das E-Food Buch». Nach über einem Jahrzehnt in leitenden Positionen in Beratung, Business Development und Projektmanagement im In- und Ausland, lehrt er seit September 2020 als Dozent für E-Commerce und Handel an der Hochschule Luzern. Zudem berät und unterstützt er mit seinen Start-ups «Dr. Matthias Schu | retail I ecommerce | internationalization strategy», «Disrupt Retail» sowie «E-Food Consult» Händler und Produzenten aller Größen bei Projekten und Strategien.


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