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E-FOOD STARTUPS: MORE POWER TO THE BAUER – FRISCHEPOST ZÜNDET DIE ZWEITE STUFE

Frischepost?! Wer in Deutschland an Online-Hofladen denkt, dem kommt unwillkürlich Frischepost in den Sinn. In den nur sieben Jahren, die seit dem Start 2015 vergangen sind, hat es das Team rund um die beiden Gründerinnen Eva Neugebauer und Jule Willing geschafft, aus ihrer simplen Idee ein erfolgversprechendes Geschäftsmodell zu formen. Und Bauer und Verbraucher mit nachhaltig produzierten Bio-Produkten auch digital zusammenzubringen. Grund genug, sich Frischepost einmal genauer anzuschauen.

DAS DIGITALE HOFLADEN-URGESTEIN AUF DEM ERFOLGREICHEN WEG INS NÄCHSTE ZEITALTER

Die Story von Frischepost mit den beiden Gründerinnen Eva und Jule, die sich noch aus gemeinsamen Studientagen an der WHU kennen, beginnt mit einem Piloten im Jahr 2015. Und ist so simpel wie genial: Wie schafft man es, die Supply Chain im Lebensmittelhandel umzukehren? Und nicht von grossen Ketten und deren konditionellen Restriktionen, sondern von den Produzenten aus zu denken, die sich nicht auf Masse, sondern auf biologische, nachhaltige Produkte fokussieren? Mit Frischepost – der Plattform für Bauern, die ihre Waren zeitgemäss auch digital im regionalen Umfeld mit kurzen Wegen verkaufen möchten. 

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Jule und Eva – Die Gründerinnen von Frischepost (Quelle: Frischepost)

Auch wenn Frischepost 2016 allenfalls seiner Zeit als einer der führenden Pioniere in diesem Marktsegment noch voraus war, hat das Startup bereits damals Pflöcke eingeschlagen und bei sich als Standard etabliert, die bei vielen anderen Unternehmen erst Jahre später im Zuge des Corona-Boosts im E-Food stärker in den Vordergrund rückten. So beispielsweise elektrische Auslieferfahrzeuge, die bei Frischepost von Anfang an dabei sind. Und alle eigene Namen wie «Anton der Apfelwagen», «Kira Kirsche», oder «Martha die Milchkuh» tragen. Und aufwendig beklebt als fahrende Werbeflächen für Frischepost agieren.

Die im Frühjahr 2020 beginnende Corona-Pandemie mit ihrem ungeahnten Boost im Online-Lebensmittelhandel hat auch vor Frischepost nicht halt gemacht und zu einer Verschiebung innerhalb der Kundenstruktur geführt. Fokussierte man vor Corona primär auf das B2B-Geschäft und belieferte z.B. Gastronomiebetriebe oder auch KMUs mit Produkten, liegt der Fokus heute auf B2C und dem Endkunden. Und der Bündelung der Einkaufstouren zu den einzelnen regionalen Produzenten für den Kunden. Mit dieser erweiterten Value Proposition läutete man somit auch die zweite grosse Entwicklungsstufe für Frischepost ein.

NOCH MEHR POWER FOR THE BAUER – DIE ZEICHEN STEHN AUF EXPANSION

Nachdem das Ziel der ersten Stufe – Validierung des Geschäftsmodells, Aufbau des Startups und dieses durch die ersten Jahre navigieren – erfolgreich erreicht wurde, gilt es nun, mit dem Team von Frischepost die Vision des nachhaltigen Konsums weiter zu verbreiten. Und zu skalieren. Um diese Ziele zu erreichen, haben sich die Gründerinnen auch weitere E-Commerce Expertise mit ins Boot geholt. Seit Oktober 2021 unterstützt Tom Mayer, der weit reichende E-Commerce Erfahrung u.a. von Tchibo, Manufactum, Breuninger oder auch als Co-Founder von Milchmann & Co mitbringt, als neuer CEO von Frischepost die Gründerinnen. Neben der Skalierung des Geschäftsmodells stehen dabei operativ insbesondere die Stärkung der Marke Frischepost und Effizienzsteigerungen bei Operations und Logistics im Vordergrund. 

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Tom Mayer ergänzt neu mit seiner E-Commerce und Logistik-Expertise das Geschäftsführungsteam von Frischepost (Quelle: Frischepost)

Doch auch bei der Kundenzentrierung setzt Frischepost neue Massstäbe: Damit Kunden sich nicht jede Woche implizit die Frage stellen müssen, ob man die Liefergebühren für die Bestellung zahlen möchte, oder doch in den Supermarkt geht, hat Frischepost diese nun abgeschafft. Und erreicht damit im Sinne eines positiven «Lock-in Effekts» eine Habitualisierung eines regelmässigen Kauf- und Bestellverhaltens. 

Um die Lieferzeiten zudem attraktiver zu gestalten, wurden die Lieferslots nochmals verkürzt. Von Montag bis Freitag stehen den Kunden nun drei Slots zwischen 13 – 16 Uhr (Mittag), 14 – 18 Uhr (Nachmittag) sowie 18 – 21 Uhr (Abend) zur Verfügung. Die Besonderheit jedoch dabei: Da die Routenplanung am Vorabend erfolgt, wird dem Kunden nochmals am Abend vorher per Mail eine genaue Zeiteingrenzung auf 15 Minuten innerhalb des gewählten Slots mitgeteilt. Dies entschärft deutlich die auf den ersten Blick auftretende «Warteproblematik» bei der Warenübergabe. 

DAS SORTIMENT – GRÖSSER, ABER DEN GRUNDWERTEN TREU BLEIBEN

Das Sortiment von Frischepost umfasst heute rund 2’000 Artikel, die mehrheitlich von über 500 regionalen Erzeugern produziert werden. Der Fokus dabei: Saisonalität, die der Kunde ebenfalls im online publizierten Saisonkalender nachvollziehen kann. Es werden hauptsächlich die Produkte angeboten, die zur jeweiligen Jahreszeit passen. Bio, herausragende Produktqualität, nachhaltige Produktion und kurze Wege stehen dabei im Fokus. 

Frischepost Kommissionierung

Kommissionierung im Lager von Frischepost (Quelle: Frischepost)

Hinzukommen soll eine bessere Grundabdeckung in allen Sortimentsbereichen im Sinne eines «One-Stop-Shoppings» für die Kunden sowie eine grössere Auswahl im Bereich Ultrafrische. Hier spielt auch die lokale/regionale Lieferantenstruktur der Frischepost in die Karten: Eine Reihe der Produzenten ernten/produzieren und verpacken tagesfrisch auf Bedarf nach Bestelleingang; die Range reicht dabei vom Salatkopf, der bedarfsgerecht auf dem Feld geschnitten wird, über fangfrischen Fisch bis hin zur Rohmilch. Damit kann Lebensmittelverschwendung und Foodwaste, sowohl bei den Produzenten und Bauern, als auch bei Frischepost, nahezu auf Null reduziert werden. Sollte doch einmal etwas übrig bleiben, wird dieses zu «Too Good to Go» weitergegeben.

WO FRISCHEPOST BEREITS KUNDEN GLÜCKLICH MACHT UND WIE ES WEITERGEHT

Heute ist Frischepost bereits in der Hansestadt Hamburg, Berlin, München, Köln und im Rhein-Main Gebiet vertreten. Hamburg, das auch die Keimzelle von Frischepost bildet, wird vom Startup selbst bedient. Die weiteren Gebiete sind durch ein Franchise-Modell abgedeckt. 

Wo Frischepost bis jetzt verfügbar ist (Quelle: Frischepost)

Nach einem weiteren erfolgreichen vierten Quartal in 2021, bei dem der Umsatz im Vergleich zum Vorjahresquartal nochmals um 46 % gesteigert werden konnte, blickt Frischepost optimistisch in die Zukunft. Zudem wurde gerade eine Series B Finanzierungsrunde abgeschlossen, um weiter in Kundenbindung, exzellenten Service und eine eigene App zu investieren. Und die Erfolgsgeschichte von Frischepost weiterzuschreiben.

Frischepost Wachstum Bio Startups E-Food Nachhaltigkeit Insights Dr. Matthias Schu Quartalszahlen

Frischepost weiter auf Wachstumskurs mit erfreulichem Q4/2021 (Quelle: Frischepost)

FAZIT

Im derzeit primär auf schnelle Lieferung und Quick Commerce fokussierten deutschen E-Food Geschehen tritt Frischepost mit einem erfrischend anderem Ansatz im Gepäck an, um Kundinnen und Kunden online mit nachhaltigen, regionalen Bio-Produkten zu bedienen. Für mich steht Frischepost nicht nur als ein Online-Bio-Urgestein innerhalb der Branche, sondern auch als neuer Hoffnungsträger mit erheblichem Potential im unterversorgten deutschen Online-Lebensmittelmarkt. Persönlich bin ich sehr gespannt und voller Vorfreude, wo hier die Reise hingeht.

Dieser Beitrag erschien erstmals bei etailment – Das Digital Commerce Magazin von Der Handel

ÜBER DEN AUTOR

Dr. Matthias Schu ist der führende E-Food-Experte im DACH-Raum und Autor von «Das E-Food Buch». Nach über einem Jahrzehnt in leitenden Positionen in Beratung, Business Development und Projektmanagement im In- und Ausland, lehrt er seit September 2020 als Dozent für E-Commerce und Handel an der Hochschule Luzern. Zudem berät und unterstützt er mit seinen Start-ups «Dr. Matthias Schu | retail I ecommerce | internationalization strategy», «Disrupt Retail» sowie «E-Food Consult» Händler und Produzenten aller Größen bei Projekten und Strategien.

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